Interview mit der Künstlerin Ieva Epnere – Stipendiatin des Berliner Künstlerprogramms des DAAD

Ieva Epnere, Foto: Kristaps Epners

Das Interview mit der Künstlerin Ieva Epnere im Magazin Artterritorry vom 19. Mai 2020 finden Sie hier: INTERVIEW (auf lettisch)

Ieva Epnere ist diesjährige Stipendiatin des renommierten Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

http://ievaepnere.com

Ieva Epnere (*1977 in Liepāja, Lettland) lebt und arbeitet in Riga, Lettland. Allein 2018 wurden ihre Arbeiten in den Einzelausstellungen On Water, Wind and Faces of Stone in der Fogo Island Gallery auf Fogo Island im kanadischen Neufundland und Hybrid Identities in der HIT Gallery in Bratislava gezeigt; ebenso wie auf der ersten International Biennial of Contemporary Art, Riga, im Jüdischen Museum und Zentrum für Toleranz in Moskau und in der Villa Vassilieff in Paris. Im gleichen Jahr war Epnere Artist-in-Residence am Iaspis in Stockholm und auf Fogo Island. 

Ieva Epneres Fotografien und Videos sind durchtränkt mit der Essenz ihres Gegenstands – sie verdichten ihn, evozieren ihn, analysieren ihn. Der Weg zu dieser Essenz führt über das Mittel einer extremen Nahsicht auf gemeinschaftliche Rituale und persönliche Erinnerungen, auf Menschen und ihre Handlungen und Erzählungen, mit einem Blick, der ebenso sezierend wie empathisch ist. 

Eight, Video. 8′, 2012 von Ieva Epnere

So umkreiste die Ausstellung Sea of Living Memories, gezeigt 2016 bei Art in General in New York und 2016/2017 im kim? Contemporary Art Center in Riga, gegenwärtige Spuren der Vergangenheit an der lettischen Ostseeküste. Der Film Later (2016), gedreht in Liepāja, folgt dem militärisch kargen, einsamen Tagesablauf eines Mannes. Die Falten seines alternden Gesichts und sind für Epnere ebenso von Interesse wie die aufgeplatzten Wandanstriche und die aufgeworfenen Holzfußböden des ruinösen und verlassenen Gebäudes, durch das er sich bewegt. Die verblassten Farben, gespiegelt im Grau des Strandes, des Meeres und des Himmels, deuten ebenso wie seine Uniform auf ein Leben, das in der Vergangenheit liegt und das sich geisterhaft ins Heute fortzieht. Immer wieder nimmt der Film die Ruine einer Festung am Meer in den Blick, die außerdem das Motiv eines handgewebten Wollteppichs in der Ausstellung ist, wie auch die Filzdecken seines Bettes als Objekt in der Ausstellung anwesend sind. Ein Aspekt, der in Epneres Oeuvre immer wieder aufscheint, ist die Spiritualität von Orten und das Leben in der Natur, ob durch die Fokussierung von Landschaft oder durch das Interesse an ruralen Traditionen, wie etwa im Video Es mācēju danci vest (I know how to dance) (2018), in dem Epnere folkloristischen Tanz und seine Instrumente Choreografie, Musik und Tracht in den Blick nimmt. Auch hier stehen Traditionen, Rituale und Erinnerungen als Medien der Manifestation des Vergangenen im Heute und ihre identitätsbildende Wirkung im Zentrum ihres Schaffens. 

Four Edges of Pyramiden (2015), Video, 20′ min. von Ieva Epnere

Titelbild: Pyramiden (2014), eine Serie von Farbfotografien von Ieva Epnere.

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