Aufführung „Tanya’s Birthday. Berlin“ des Ģertrūdes ielas teātris (Riga) bei dem POSTWEST-Festival der Volksbühne Berlin

Im Rahmen des transkulturellen Festivals POSTWEST (24.-26.06.2020), organisiert von dem traditionsreichen Theater in Berlins Mitte – Volksbühne Berlin, führt das Ģertrūdes ielas teātris (Riga) das Bühnenstück „Tanya’s Birthday. Berlin“ auf als Online Live Performance mit Publikumsbeteiligung.

Die Aufführung „Tanya’s Birthday. Berlin“ fand am 25. Juni um 16.00 Uhr sowie um 20.00 Uhr als LIVE-Event auf ZOOM statt.

Die Aufzeichnung der Live-Performance finden Sie HIER.

Ein Konvergenzpunkt der europäischen Geschichte – das Jahr 1989: genauer von der Aktion „Baltischer Weg“ im August bis zum Fall der Berliner Mauer im November – dient als Ausgangspunkt für die Inszenierung Tanya’s Birthday. Berlin.

Mit der Aktion „Baltischer Weg“ bildeten Hunderttausende Menschen aus Estland, Lettland und Litauen eine rund 600 Kilometer lange Menschenkette zwischen den drei Hauptstädten Tallinn, Riga und Vilnius und demonstrierten damit für Unabhängigkeit und Freiheit. Die Aktion wirkte sich nicht nur auf die baltischen Staaten, sondern auf die Geschichte und Zukunft ganz Europas aus.

Das künstlerische Team um Regisseur Mārtiņš Eihe untersucht die Spuren, die diese beiden historischen Ereignisse hinterlassen haben, und analysiert die Verbindungen zwischen ihnen aus der Perspektive von KünstlerInnen als ZeitzeugInnen. Das Setting der Performance ist eine virtuelle Geburtstagsfeier. Das Publikum nimmt die Rollen von Freunden und Familie ein. Während die SchauspielerInnen sich an die versammelten Gäste wenden und mit dem Erzählen von Geschichten beginnen, entblättern sie nach und nach mehrdeutige wie vielschichtige Lebensgeschichten.

Die Grundlage von Tanya’s Birthday. Berlin bildet das gleichnamige Stück Tanya’s Birthday (Taņas dzimšanas diena, entwickelt 2016) – eine der beliebtesten Aufführungen im Repertoire des Ģertrūdes ielas teātris.

Credits:
Regie: Mārtiņš Eihe
Dramaturgie: Arnita Jaunsubrēna (Ģertrūdes ielas teātris), Degna Martens (Volksbühne Berlin).
Design: Ieva Kauliņa
Produktionsleitung: Maija Pavlova
Technische Assistenz für Ton, Licht, Video: Dina Beinare, Normunds Balodis

Mit: Mārtiņš Eihe, Arnita Jaunsubrēna, Daniel Nerlich (Volksbühne Berlin), Juta Vanaga

Koproduktion zwischen Ģertrūdes ielas teātris und Volksbühne Berlin

Ģertrūdes ielas teātris (GIT) ist eine freie Produktionsstätte, die in jeder Saison vier bis sechs neue Produktionen auf die Bühne bringt und zudem ein monatliches Programm an Stücken aus ihrem festen Repertoire aufführt. GITs Kollaborationen mit KünstlerInnen aus den Bereichen Theater, Tanz und Musik beruhen auf dem gemeinsamen Glauben an den Wert kreativer Arbeit. GIT unterstützt neue Impulse und Konzepte, um künstlerisches Wachstum zu fördern. Eine Gruppe engagierter PartnerInnen und FördererInnen trägt aktiv zur Stärkung des GIT als Plattform für aktuelle Trends des zeitgenössischen Theaters in Riga bei.

Mārtiņš Eihe arbeitet sowohl an staatlichen Repertoiretheatern (Valmiera Drama Theatre, Dailes Theatre), als auch an freien Theatern. Dabei inszeniert er Theaterproduktionen nicht nur am Ģertrūdes ielas teātris selbst, sondern auch an unkonventionellen Locations außerhalb klassischer Theaterräume, wie im Rahmen des International Festival of Contemporary Theatre Homo Novus.

Eihes Regiearbeit zeichnet sich durch ein unerschütterliches Interesse für Menschen, die Welt, die Geschichte und das politische Geschehen aus. Das Theater dient ihm als Gelegenheit, eine Konversation anzuregen – mit seinen kreativen Teams ebenso wie mit den Zuschauer*innen. Eihe wirft mit seinem Schaffen ungemütliche und kontroverse Fragen auf, indem er sich direkt an das Publikum wendet und Diskussionen provoziert, dabei aber nie aufhört, zuzuhören, andere Meinungen zu akzeptieren und jegliche Didaktik zu vermeiden. Offenheit und kreative Freiheit sind charakteristisch für Eihes Theater, sie finden ihren Ausdruck in Form und Inhalt. Das Publikum muss sich darauf einstellen, sich bei einem Besuch seiner Theaterstücke auf einer Geburtstagsfeier (Tanya’s Birthday), in einem Escape Room (Escape Room. A Myth About Freedom), oder einer intimen Tagebuchlesung (The Reading Room) wiederzufinden.

Das Theaterfestival POSTWEST sollte im Mai 2020 mit Partnertheatern aus neun Ländern, die eigens dafür zwölf neue Stücke entwickelt haben, stattfinden. Nun finden sich alle Partnertheater in einer neuen Realität wieder. Die COVID19-Pandemie bedeutete für die künstlerischen Teams nicht nur den Ausfall der Festivalwoche im Mai, sondern auch das abrupte Ende der Vorbereitungsphase: Die Produktionen befanden sich kurz vor Probenstart, das gemeinsame Bühnenbild für das Große Haus entstand bereits in den Werkstätten der Volksbühne, der Zeitplan für die Festivaltage war finalisiert. 

Wie lässt sich dieses transkulturelle Theaterfestival nach einem Jahr Vorbereitungszeit ohne fertiggestellte Produktionen und ohne reale Bühne kurzfristig umsetzen? Mit einer Rückkehr zum Grundgedanken des Festivals, dem kollektiven künstlerischen Austausch. Statt der Volksbühne wird nun der digitale Raum für grenzüberschreitenden Austausch genutzt und damit auch als Ort für die virtuelle Ausgabe von POSTWEST

Vom 24. bis 26. Juni 2020 wird POSTWEST als digitales Festival nachgeholt mit Online-Live-Performances, Videos on demand, Audiotracks und Diskursveranstaltungen, Begegnungen mit den Künstler*innen und DJ-sets.

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