Kunsttipp: Ausstellung von Ieva Epnere in der Galerie Wedding vom 6. August bis 3. September 2020 in Berlin

Vom 6. August bis 3. September 2020 haben Sie die Möglichkeit, die Ausstellung „And That Song Is Our Amulet“ mit Arbeiten der Künstlerin und diesjährigen Stipendiatin des Berliner Künstlerprogramms des DAAD Ieva Epnere in der Galerie Wedding – Raum für zeitgenössische Kunst in Berlin zu erleben.

Die Arbeit „Green School“ (2017–2020) von Ieva Epnere, welche im Rahmen der Gruppenausstellung „And That Song Is Our Amulet“ gezeigt wird, ist Teil ihrer langjährigen Auseinandersetzung mit reformpädagogischen Ideen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und deren Auswirkungen bis in unsere Gegenwart hinein. Die Künstlerin konnte während ihres Aufenthaltes in Berlin ihre Recherchen zum Pestalozzi-Fröbel-Haus, das 1882 von Henriette Schrader-Breymann gegründet wurde, und seiner historischen Verbindungen nach Lettland fortsetzen. Epnere zeichnet in ihrer Recherche die Wege der Protagonistin Marta Rinka nach, die über Berlin nach Riga führen, wo die lettische Kindergärtnerin die erste Einrichtung etablierte, die reformpädagogischen Konzepten folgte. Der Film »Green School« zeigt Kinder beim Gärtnern, Lesen, Sticken und Spielen. Die Kleidung der Kinder, die farbige Ausleuchtung des Raumes, alle Gegenstände und Symbole des Filmsettings sind mit Bedeutung aufgeladen. Auf subtile und gleichzeitig befremdliche Weise inszeniert die Künstlerin laborartig wirkende, unverortete Situationen, die irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft zu liegen scheinen. Beklemmend und hoffnungsvoll zugleich wird die Bedeutung kindlicher Entwicklung zu einem paradigmatischen Zeichen für gesellschaftliche Lebensmo­delle. Wird hier eine vergangene Ideologie oder eine kommende Gemeinschaft dargestellt? Und liegt eine utopische, möglicherweise erlösende Kraft in den historischen, aber heute verblassten Errungenschaften der Reformbewegungen vom Beginn des letzten Jahrhunderts? Wohin kann uns diese Kraft heute lenken?

Eröffnung der Ausstellung „And That Song Is Our Amulet“ findet am 06. August 2020 von 12 bis 21 Uhr statt.

Galerie Wedding – Raum für zeitgenössische Kunst, Müllerstraße 146/147, 13353 Berlin, www.galeriewedding.de

Öffnungszeiten: Di-Sa, 12-19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

In der Gruppenausstellung wird das künstlerische Schaffen von drei Stipendiatinnen und Stipendiaten des Berliner Künstlerprogramms des DAAD – Burak Delier (*1977, Türkei), Ieva Epnere (*1977, Lettland) und Runo Lagomarsino (*1977, Schweden) – dem Berliner Publikum vorgestellt. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Möglichkeiten der Widerständigkeit von Kunst und Poesie gegenüber den vorherrschenden Systemen der Politik, Religion und Wirtschaft.

Die Ausstellung ist entstanden in Kooperation mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD, kuratiert von Melanie Roumiguière und Malte Roloff im Rahmen von SoS (Soft Solidarity), konzipiert von Nataša Ilić und Solvej Helweg Ovesen.

Bitte Beachten: Für die Ausstellung gelten die aktuellen Hygienevorschriften. Es dürfen sich max. 5 Besucher*innen zur gleichen Zeit im Ausstellungsraum aufhalten. Bringen Sie bitte Ihren eigenen Mundschutz mit.

Dialogische Führung mit den Kurator*innen am 28. August 2020 um 14 Uhr.

Offenes Gespräch mit der Künstlerin Ieva Epnere am 30. August 2020 um 14:00 Uhr.

Die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist auf max. 5 Personen begrenzt. Voranmeldungen bitte an post@galeriewedding.de.

In dem titelgebenden Roman „Amuleto“ Roberto Bolan͂os von 1998 wird die Kraft des künstlerischen Schaffens, der Erinnerung und der Phantasie beschworen. Sie stellt sich der Realität entgegen – ungeachtet der Härten und Ungleichheiten, die das Leben bewirkt. Widerstand kann in diesem Sinne verstanden werden als ein beobachtender, poetischer Akt, geleitet von Überzeugung und Nachdruck; aber gleichzeitig auch von Behutsamkeit und Zuversicht.

Auch in den hier gezeigten Arbeiten werden Fragen gestellt, nach Möglichkeiten des Zusammenschlusses zwischen ausgegrenzten Identitäten, der Erinnerung an vergangene Formen des Widerstands und des Träumens von alternativen Lebensentwürfen. Welchen Raum können wir bewahren für Ideen und Ausdrucksformen, die sich nicht nur unterordnen oder verstecken wollen? Wie können wir über diese Räume sprechen, ohne dabei eine einseitige, starre Position zu beziehen, die jede Form des Utopischen ausschließt?

Die hier versammelten Kunstwerke machen Angebote, Widerständigkeit und Schutz in unsicheren Zeiten eher in losen, weichen, verletzlichen, temporären Formen von Gemeinschaft und Solidarität zu suchen als in heroischen Gesten und ideologischen Gewissheiten. Gerade heute, in Zeiten der „neuen Normalität“ existentieller Ungewissheiten, erscheint es uns wichtig, die Kraft der Kunst, der Worte und der Bilder zu betonen. Auch wenn wir uns – wie im ersten Satz von Bolan͂os Buch – in einer „Horrorgeschichte“ befinden, so endet diese hoffentlich ebenso wie die Erzählung der Protagonistin Auxilio. Am Ende ihrer Tour de Force durch die lateinamerikanische Literaturgeschichte und die traumatischen Ereignisse der gewaltsamen Niederschlagungen der Studentenproteste im Mexiko City der 1960er und 1970er Jahre schließt sie mit den Worten: „Dieses Lied (…) es sang vor allem von Tapferkeit, den Spiegeln, der Sehnsucht, der Freude (…), es ist das Zeichen unserer Erinnerung, unser Amulett“.   

Die Galerie Wedding Raum für zeitgenössische Kunst ist eine städtische Galerie in Berlin Mitte. Sie befindet sich inmitten eines urban und multikulturell geprägten Stadtteils zwischen Müllerstraße und Leopoldplatz in einem historischen Gebäude des Expressionismus. Wie schon das Bauwerk Teil eines utopischen Gesellschaftsentwurfs war, folgt die Galerie Wedding dem Anspruch, ein Ort für zeitgenössische künstlerische Ausdrucksformen und zukunftsweisende gesellschaftspolitische Modelle zu sein.

Soft Solidarity (SoS) setzt 2019/20 den Rahmen für das Programm in der Galerie Wedding. Das Kuratorinnenteam, bestehend aus Nataša Ilić und Solvej Helweg Ovesen, greift aktuelle Positionen von in Berlin lebenden Künstler*innen auf und bringt sie mit anthropologischen, gesellschaftspolitischen, aber auch ganz alltäglichen Fragen in Verbindung. SoS untersucht die tiefen Krisen der Solidarität und setzte sich mit der Notwendigkeit, auf die Bedürfnisse der Menschen zu reagieren, auseinander.

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