Isser Bushkin – Ein Leben für den Gesang

Zwischen Riga und Berlin

Nachruf

Am 13. Januar 2021 verstarb der in Riga geborene lettisch jüdische Bassist Isser Bushkin in seiner Wahlheimat Berlin im hohen Alter von 93 Jahren. Seine ersten Musikkenntnisse erwarb er vermutlich bei seinem Großvater, der als Violinist in einem Orchester spielte. Während des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust verlor er fast seine gesamte Familie.

Mit 17 Jahren trat Isser Bushkin in die Musikschule des Rigaer Konservatoriums ein und begann eine Ausbildung bei dem Bassisten Josef Lindberg. Von 1946 bis 1949 war er als Chorleiter tätig und begann sein Gesangsstudium bei Prof. Witting. Nach einer Zeit als Regieassistent an der Opernklasse des Konservatoriums und Beschäftigung mit musiktheoretischen Fragen des Gesangs, begann er 1953 seine Konzerttätigkeit als Solist in der Rigaer Philharmonie. Dem Abschluss der Ausbildung als Bassist folgte ein Engagement an der Rigaer Oper in seinem Fach sowie eine Regie-Assistenz bei Nikolaj Wassilew.

Er hat sämtliche Basspartien der bekannten italienischen und russischen Opern zunächst in Riga und dann in den großen Opernhäusern der damaligen Sowjetunion gesungen. Mit seiner nachmaligen Sangeskunst ging seine Gestaltungskraft der auf der Bühne zu verkörpernden Figuren einher. Durch ihn wurden sie menschlich. Mit Stimme und Spiel hielt er seine Zuhörerschaft im Bann und jeder seine Auftritte wurde zu einem großen Erlebnis für sie. Größte Erfolge feierte er in der Rolle des Müllers in der Oper „Rusalka“ von Alexander Dargomyschski.

1964 wurde Isser Bushkin 2. Preisträger beim Mussorgsky-Gesangswettbewerb. Zahlreiche Konzertreisen im In- und Ausland hatten ihn berühmt gemacht. In der Sowjetunion genoss er alle Privilegien eines großen Künstlers. Trotzdem entschloss er sich 1972 gemeinsam mit seiner Familie nach Israel zu emigrieren. Nunmehr öffneten sich ihm auch alle Türen der Opern- und Konzerthäuser der westlichen Welt. Er sang unter den berühmtesten Dirigenten dieser Jahre wie Leonhard Bernstein, Herbert von Karajan oder James Levine und trat mit Sängern wie Richard Tucker, Placido Domingo, Robert Merrill, Umberto Giordano, Sherrill Milnes, Teresa Kubiak, Renata Scotto und anderen auf. In Israel wirkte er beim “Israel Music Festival” mit. Die Liste seiner Auftritte und seiner weltbekannten musikalischen Begleiter rund um den Globus ließe sich unendlich fortsetzen.

1974 erfüllte er sich seinen Wunsch, in Berlin zu leben und gastierte von hier aus in den Musikhäusern der Metropolen. Als Gesangslehrer an der Musikschule Berlin-Steglitz machte er seine Studenten auch mit einer speziellen Atemtechnik vertraut, die er sich angeeignet hatte, um seinen Bass scheinbar mühelos zu führen.

Geboren in den Goldenen Zwanzigern im unabhängigen Lettland, erlebte er alle schicksalhaften Wendungen seiner Heimat mit – die sowjetische Besetzung und den Verlust der Selbstbestimmung, die deutsche Besetzung und den Holocaust, die erneute sowjetische Besetzung und die Massendeportationen, die Emigration und schließlich doch auch die Wiedervereinigung Europas.

Riga blieb für Isser Bushkin seine unvergessene Heimatstadt, Berlin wurde sein Zuhause.

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Wir möchten ein besonderes Dankeschön an Frau Rupp aus Berlin senden, für Ihre Unterstützung zur Entstehung dieses Artikels.

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